4 Fehlerquellen
 
Wie wir gesehen haben, ist die Positionsbestimmung mit Fehlern behaftet. Gäbe es keine Fehler, so wäre die Präzision beliebig genau. Weil dies aber nicht der Fall ist und die Fehler bei der Verwendung von GPS eine grosse Rolle spielen, möchte ich die verschiedenen Fehlerquellen im folgenden Kapitel behandeln.



4.1 Ionosphäre / Troposphäre


Die Ionosphäre ist eine Schicht der Atmosphäre, die sich zwischen ca. 80 und 400 km Höhe ausbreitet (nach BACHMANN 1997:35). Den Namen erhält sie von den elektrisch leitenden Teilchen, den Ionen. Durch die ionisierende, ultraviolette Strahlung der Sonne werden in dieser Schicht Ionen freigesetzt. Durchdringt nun ein GPS-Signal diese Schicht, so wird es abgelenkt und es entsteht ein Fehler, der zwischen wenigen Metern und dreissig Metern schwanken kann.
Die Ionosphäre lässt sich zwar nicht in ein mathematisches Modell fassen, jedoch können wir den durch sie entstandenen Fehler berechnen. Dies können wir mit einem Empfänger tun, der beide Trägerfrequenzen (L1, L2) empfangen kann. Wir wissen, dass sich elektromagnetische Wellen in der Ionosphäre umgekehrt proportional zu ihrer Frequenz verlangsamen (1/f^2). Wenn wir also die Ankunftszeit der Frequenz L1 mit derjenigen der Frequenz L2 vergleichen, so ist es uns möglich, den Fehler zu berechnen.

   
 
  Abb.7: Schematische Darstellung der Ausbreitung von GPS Signalen

Es können aber längst nicht alle Empfänger beide Frequenzen empfangen. So ist es möglich, an einem Standardtag zu Standardbedingungen die typische Abweichung tiefer und hoher Frequenzen zu bestimmen und diesen Wert dann bei allen Entfernungsmessungen als konstanten Faktor zu berücksichtigen. Diese weniger genaue Methode reicht aus, um die meisten durch die Ionosphäre verursachten Fehler zu kompensieren.
Auch in der Troposphäre können sich elektromagnetische Strahlen nicht ungehindert ausbreiten. Der Fehler ist aber wesentlich kleiner als derjenige der Ionosphäre. Seine Korrektur erfordert ein relativ kompliziertes mathematisches Modell, das in die Positionsbestimmung einbezogen werden muss.



4.2 Uhrenfehler


Wie ich bereits in Kapitel 3 beschrieben habe, ist eine präzise Zeitmessung eine grundlegende Voraussetzung für GPS. Während einer Periode von 12 Stunden dürfen die Uhren an Bord der Satelliten nicht mehr als 5 Nanosekunden von der Systemzeit abweichen (nach THALLER 1999:30). Eine solch hohe Stabilität kann heute nur von Atomuhren gewährleistet werden.
Um eine Positionsbestimmung durchzuführen, brauchen wir noch eine zweite Uhr, und zwar diejenige im Empfänger. Aus Kosten- und Platzgründen finden wir hier keine Atomuhren, sondern hochpräzise Quarzuhren, die gegenüber Temperaturschwankungen und Beschleunigungen sehr resistent sind. Um den Fehler der Quarzuhren zu korrigieren, passen sich diese im jeweiligen Empfänger beim Einschalten (und auch während des Betriebes) der Systemzeit automatisch an.



4.3 Multipath / Shadowing


Mulitpath ist so zu verstehen, dass das Signal an glatten Oberflächen, wie z.B. von Gebäuden, reflektiert wird und so den Empfänger als zusätzliches, verfälschtes Signal erreicht. Einige Empfänger sind in der Lage, verfälschte Signale zu erkennen und zu eliminieren. Durch die Verwendung von Antennen, die aus mehreren konzentrischen Kreisen bestehen und auf dem höchsten Punkt des Fahrzeuges montiert werden, kann der Fehler auch minimiert werden.
Shadowing entsteht, wenn der Empfänger sich z.B. unter einem Baum befindet und das Signal vom Baum aufgehalten wird. Dieser Fehler lässt sich nicht kompensieren. Nur das Wechseln der Position kann hier Abhilfe schaffen kann.



4.4 Selevtive Availability (S/A)


Nach Versuchen mit den ersten GPS-Empfängern wurde bei der Positionsbestimmung eine Genauigkeit festgestellt, die bis zu zehn Mal höher war als ursprünglich angenommen. So entwickelte das US-Verteidigungsministerium eine Funktion, mit der das Signal auf der Frequenz L1 in Kriegs- und Krisenzeiten verschlechtert werden konnte. Mit bis zu dreissig Metern liefert Selective Availability den grössten Fehler der Positionsbestimmung. Die Funktion S/A wurde im Mai 2000 ausser Kraft gesetzt, weshalb ich nicht näher darauf eingehe (nach INTERAGENCY GPS EXECUTIVE BOARD).



4.5 Genauigkeit


Die Genauigkeit von GPS mit S/A beträgt 33.3 Meter, jene ohne S/A 8 Meter. In der unten aufgeführten Tabelle entspricht die Summe aller Fehler nicht dem Total. Dies deshalb, weil die einzelnen Werte mit verschiedenen Vorzeichen und Faktoren verrechnet werden. So gibt es z.B. Fehler, die einander aufheben.

   
 
Segment Fehlerquelle
mit S/A [m]
ohne S/A [m]
DGPS [m]
Erdorbit Atomuhr des Satelliten
3.0
3.0
0
  Bahnabweichung
1.0
1.0
0
  Selective Availability
32.2
-
0
  Sonstige, z.B. Strahlung
0.5
0.5
0
Kontrolle Fehler der Bahnvoraussage
4.2
4.2
0
  Sonstige, z.B. Streudüsen
0.9
0.9
0
Benutzer Ionosphäre
5.0
5.0
0
  Troposphäre
1.5
1.5
0
  Unzulänglichkeiten des Empfängers
1.5
1.5
2.1
  Multipath
2.5
2.5
2.5
  Sonstige
0.5
0.5
0.5
Total  
33.3
8.0
3.3
  Tab.1: Genauigkeit von GPS

Ein Standardtag sieht wie folgt aus:
- Luftdruck auf Meereshöhe von 1023.25 hPa
- Temperatur von 15 °C
- Temperaturgradient von 0.65 °C pro 100 m

vgl. THALLER, Satellitennavigation, Kap. 2.8.2 Die Troposphäre

Als Systemzeit wird die Universal Time Coordinated (auch Weltzeit genannt) bezeichnet. An verschiedenen Orten auf der Welt existieren Atomuhren, die verglichen werden, um die Weltzeit zu bestimmen.

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